„Wenn der Strom ausfällt, müssen Städte handlungsfähig bleiben“
Hessische Digitalministerin Sinemus besucht im Rahmen der ersten landesweiten Resilienz-Woche das eHUB
Hessische Digitalministerin Sinemus besucht im Rahmen der ersten landesweiten Resilienz-Woche das eHUB
Was passiert, wenn in einer Stadt für mehrere Tage der Strom ausfällt? Wie können wichtige Einrichtungen weiterarbeiten – und wie lässt sich vorhandene Energie dort einsetzen, wo sie am dringendsten gebraucht wird? Antworten auf diese Fragen erproben Forschende der TU Darmstadt mit dem eHUB auf dem Campus Lichtwiese. Die hessische Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat das energieautarke Gebäude am 7. September 2026 während der ersten hessischen Resilienz-Woche besucht.
„Ein längerer Stromausfall darf nicht dazu führen, dass Städte handlungsunfähig werden. Deshalb müssen wir Lösungen entwickeln und erproben, die im Krisenfall funktionieren. Das eHUB zeigt sehr anschaulich, wie digitale Technik, erneuerbare Energien und intelligente Steuerung zusammenspielen können. Genau solche Lösungen brauchen wir, wenn wir kritische Infrastrukturen besser schützen und unser Land widerstandsfähiger machen wollen“, sagte Ministerin Sinemus.
Das eHUB kann sich bei einem Stromausfall vom öffentlichen Netz trennen und selbst mit Energie versorgen. Dafür nutzt es unter anderem Strom aus einer Photovoltaikanlage. Produziert das Gebäude mehr Energie als es selbst benötigt, kann es einen Teil davon auch an die Nachbarschaft oder Kritische Infrastrukturen weitergeben. Viele der heute installierten Photovoltaikanlagen sind nicht dafür ausgelegt, bei einem Stromausfall das eigene Gebäude weiter mit Strom zu versorgen. Sie schalten sich aus Sicherheitsgründen automatisch ab, weil die verbauten Wechselrichter nur im Zusammenspiel mit dem öffentlichen Stromnetz arbeiten. Das eHUB kann dagegen in den Inselbetrieb gehen. In der Krise könnte es Anlaufstelle für die Bevölkerung werden, um Energie bereitzustellen, aber auch um wichtige Informationen zur aktuellen Lage zu erhalten.
„In der Krise könnten eHUBs dezentrale Notfallnetze bilden, die beispielsweise Handymasten oder Ampeln mit Strom versorgen. Dafür müssen jetzt schnellstmöglich die technischen und regulatorischen Voraussetzungen geschaffen werden“, so Prof. Dr. Florian Steinke, Professor für Energieinformationsnetze und -systeme an der TU Darmstadt und Principal Investigator am LOEWE-Zentrum emergenCITY.
Entwickelt wurden diese Funktionsweisen des eHUB von emergenCITY im Zuge der generellen Forschung des Zentrums dazu, wie Städte und Infrastrukturen Krisen besser überstehen können. Nun soll das Anwendungs- und Transferzentrum Digital Resilience Xchange (DiReX) die Erkenntnisse stärker in die Praxis tragen. Denn DiReX arbeitete daran, aus solchen dezentralen Lösungen eine tragfähige Notfallversorgung für den Krisenfall zu entwickeln. Gemeinsam mit Politik, Verwaltung, Behörden, Betreibern Kritischer Infrastrukturen und Wissenschaft untersucht das Anwendungs- und Transferzentrum, wie dezentrale Energiequellen zu Notfallnetzen verbunden und verfügbare Energie im Krisenfall gezielt für besonders wichtige Funktionen eingesetzt werden kann.
„Resilienz entsteht vor der Krise. Wir müssen heute dafür sorgen, dass Bevölkerung und kritische Infrastrukturen auch bei länger anhaltenden Ausfällen handlungsfähig bleiben. Das eHUB zeigt, wie dezentrale, inselbetriebsfähige Lösungen zur Vorsorge der Bevölkerung beitragen und im Krisenfall zugleich für die Notversorgung kritischer Infrastrukturen genutzt werden können“, sagte DiReX-Direktorin Prof. Dr. Michèle Knodt.
Konkret geht es beispielsweise darum, welche technischen Voraussetzungen es braucht, um Energie aus dezentralen Anlagen im Krisenfall nutzbar zu machen. Welche Funktionen müssen prioritär versorgt werden? Wie lassen sich etwa Kommunikationsinfrastruktur oder andere Kritische Infrastrukturen notfallmäßig weiterbetreiben? Nach welchen Kriterien wird die knappe Energie im Krisenfall verteilt? Werden solche Priorisierungsentscheidungen von der Bevölkerung akzeptiert? Und welche regulatorischen Voraussetzungen müssen dafür heute geschaffen werden?
„Eine sichere Energieversorgung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit unserer Gesellschaft. Mit dem eHUB zeigt die TU Darmstadt, wie Forschung zu anwendbaren Lösungen beitragen kann. Gemeinsam mit Partner:innen aus Politik und Praxis erproben und verbessern wir diese Lösungen, damit sie im Krisenfall eingesetzt werden können.“, erklärte Prof. Dr. Tanja Brühl, Präsidentin der TU Darmstadt.
Vom 7. bis 13. September 2026 findet erstmals eine hessenweite Resilienz-Woche statt. Die Hessische Landesregierung will damit das Bewusstsein für Krisenvorsorge stärken und zeigen, wie sich Staat, Wirtschaft und Gesellschaft auf mögliche Krisen vorbereiten können. Hintergrund sind unter anderem Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, Extremwetterereignisse, Sabotageakte und hybride Bedrohungen. Mit der Hessischen Resilienzstrategie und dem „Resilienzplan 2027“ arbeitet die Landesregierung daran, Verwaltung und Gesellschaft widerstandsfähiger zu machen.