Auch 2026 kamen Wissenschaftliche Mitarbeitende, Principle Investigators (PI) und der Wissenschaftliche Beirat von emergenCITY zwei Tage im Georg-Christoph-Lichtenberg-Haus zusammen. Wie in den vergangenen Jahren bot die emergenCITY Woche eine Platform für die emergenCITY Forschenden, um sich gegenseitig auf den aktuellen Stand ihrer Arbeiten zu bringen, einander Feedback zu geben und Kooperation unter den unterschiedlichen Disziplinen anzuregen. In diesem Jahr ergänzte das nahende Ende der LOEWE Förderung für emergenCITY im Dezember 2026 das Programm um einige Rückblicke und eröffnete die Frage, wie es zukünftig mit Forschung zur Resilienz digitaler Städte weitergeht.

Bestehende Forschung zu kritischer Infrastruktur und Resilienz mit einem interdisziplinären Ansatz bündeln

Ralf Steinmetz, ehemaliger PI und jetzt Distinguished Emeritus bei emergenCITY, blickte zum Auftakt der Veranstaltung in die Vergangenheit. Er erinnerte, dass die Idee resiliente, zuverlässige und anpassungsfähige Systeme zu bauen, auch zu Beginn von emergenCITY nicht neu war. Schon seit mehr als 20 Jahren seien die emergenCITY-Themen in verschiedenen Vorgänger-Forschungsvorhaben bereits angelegt gewesen. Mit dem LOEWE-Zentrum emergenCITY verfolgte Steinmetz gemeinsam mit anderen emergenCITY-PIs jedoch das Ziel, engagierte Menschen in einem Zentrum zusammen zu bringen, um an resilienten digitalen Städten in einer Atmosphäre voller Einsatzbereitschaft und Spaß zu forschen.

„Gebt niemals auf. Das Thema ist heute wichtiger als je zuvor“, plädierte der inzwischen emeritierte Professor vor den Anwesenden.

Auch Utz Rödig, Professor für Informatik am University College Cork, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von emergenCITY, hob hervor:

„Die Forschung zu dem, was wir heute als kritische Infrastrukturen bezeichnen, ist nicht neu. Nur die öffentliche Wahrnehmung hat sich seit dem Start von emergenCITY deutlich gewandelt. Jeder versteht heute ihre Notwendigkeit.“

Ein Weg zu internationaler Anerkennung und praktischer Wirkung

emergenCITY habe mit seinen Forschungsbeiträgen, die aus einer einzigartigen Kombination von Forschungsthemen aus verschiedenen Disziplinen hervorgegangen seien, internationale Sichtbarkeit erlangt, so Rödig. Über die Infrastruktur des Forschungszentrums sei es gelungen, nicht nur Simulationen und Paper, sondern auch praktische Demonstratoren wie die Heinerbox oder Krisopolis hervorzubringen. Aus Wissenschaftler:innen, die via Zoom mitten in der Covid Pandemie ihre Arbeit an der Resilienz digitaler Städte aufnahmen, sei eine Forschungsgemeinschaft gewachsen, die gesellschaftliche Wirkung erziele und in ihrer Vorreiterrolle anerkannt werde.

“Ich denke, ihr euch als eine Einrichtung etabliert habt, die es versteht, die Resilienz von Systemen stärken.,” schloss Rödig.

Gerade die internationale Bedeutung und die anwendungsorientierte Forschung im Bereich der Ersthilfe in Krisensituationen, die emergenCITY in den vergangenen Jahren erreicht hat, hob auch Satoshi Tadokoro noch einmal hervor. Er ist außerordentlicher Professor am Tough Cyberphysical AI Research Center an der Tohoku University in Japan und ebenfalls Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von emergenCITY.

Von Sensortechnik über Satellitenkommunikation bis zu ad-hoc Datenmanagement

Für die vier Programmbereiche des Zentrums präsentierten jeweils verschiedene emergenCITY Mitarbeiter:innen ausgewählte Forschungsarbeiten.

Aus dem Programmbereich Information stellte Markus Henkel vor, wie Smart-Home-Technologien Warnsysteme für den Krisenfall ergänzen können. Marcian Seeger informierte über Arbeiten zu ad-hoc Datenmanagement in Krisensituationen aus der Big Data Analytics Gruppe von Thorsten Papenbrock an der Philipps-Universität Marburg. Zsolt István, Professor in der Systems Group an der TU, präsentierte Ansätze, um Systeme mittels Field Programmable Gate Arrays (FPGA) und Edge Computing resilienter zu machen.

Im Programmbereich Kommunikation sprach emergenCITY Alumni Julian Zobel über die Idee, Delay Tolerant Networks (DTN) in der Satellitenkommunikation einzusetzen. Christian Eckrich stellte Resilienz Ansätze für und durch dezentrale Sensortechnik vor, insbesondere im Bereich Radar-Sensorik. Frank Hessel präsentierte mit der Heinerbox eine Sensorbox für Umweltdaten und Notfallkommunikations-Test vor, die emergenCITY seit letztem Jahr im Darmstädter Lichtenbergblock testet.

Serious Games, Flutkatastophenmangement und Open-Hardware Rettungsroboter

Ein ähnlich konkretes Forschungsergebnis resümierte Nadja Thiessen für den Programmbereich Stadt und Gesellschaft: das inzwischen veröffentlichte mobile Serious Game Krisopolis. emergenCITY Alumni Lucas Flath stellte eine Fallstudie zur Koordination verschiedener Akteure im Flutkatastrophen Management am Beispiel der Stadt Mörfelden-Walldorf vor und Avikal Somvanshi sprach zu seiner Forschung, die Aufenthaltsbedingungen für vulnerable Gruppen während einer Hitzewelle kombiniert mit einem Stromausfall untersucht.

Für den Programmbereich Cyber-Physische Systeme stellten Michaela Leštáková und Kevin Logan ihre Forschung zu resilienten Wasserverteilungssystemen vor. Christoph Löser und Stefan Fabian präsentierten vier Ansätze der Rettungsrobotik, die Opfer im Katastrophenfall in unübersichtlichen, mehrstöckigen Umgebungen lokalisieren können: ein Radarsystem, das durch Wände Vitalparameter ausmachen kann, eine Multi-Story-Elevation Map sowie den Open-Hardware Rettungsroboter Athena und seine Flipper, die mit deren Hilfe er autonom Hindernisse überwinden kann.

Tieferer Austausch, neue Mission und Demonstratoren zum Anfassen

Weitere Einblicke und tiefergehende Diskussionen ermöglichte eine Poster-Session. Neben zahlreichen Plakaten der Wissenschaftlichen Mitarbeitenden stellte Yanni Mei den Demonstrator ShadAR aus, eine Anwendung, die es Nutzenden erlaubt on-demand Augemented Reality Bilder zu erstellen, nur durch eine sprachliche Beschreibung. Außerdem präsentierte sich erstmalig die neue Mission Extreme Communication, die daran arbeitet, mittels Drohnen und verschiedener Netzverbindungen Kommunikation auch unter extremen Bedingungen herzustellen, um auf eine Krise schnell und effizient reagieren zu können.

Teamerfolg für die Forschung zur Resilienz digitaler Städte

In verschiedene Grußworte und Vorträge während der emergenCITY Woche widmeten sich jedoch auch dem nahenden Ende des Förderzeitraums für emergenCITY im Dezember. Heribert Warzecha, TU-Vizepräsident für Studium und Lehre, hob den interdisziplinären Ansatz des Zentrums und den Transfer von Forschungsideen in die Praxis im Dialog mit der Bevölkerung hervor.

„emergenCITY ist eine absolute Erfolgsgeschichte,“ resümierte der TU Vize.

Aus der internen Perspektive blickte emergenCITY Koordinator Matthias Hollick auf mehr als 35.000 Mails mit dem Schlagwort emergenCITY zurück und bedankte sich bei allen Wissenschaftler:innen, dem Direktorium und der Geschäftsstelle sowie den beteiligten Universitäten, den Förder-Verantwortlichen beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur und dem wissenschaftlichen Beirat von emergenCITY. Nicht nur preisgekrönte wissenschaftliche Ergebnisse seien aus emergenCITY hervorgegangen, sondern auch eine Wirkung, die dazu beitragen könne, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.

„Dieses Projekt hat mir persönlich viel Freude bereitet. Aber ich glaube fest daran, dass Wissenschaft ein Teamleistung ist“, so Hollick.

Ende eines besonders interdisziplinären Forschungsorts

Max Mühlhäuser, früherer PI und inzwischen Distinguished Emeritus bei emergenCITY, fand klare Worte, dass mit dem Ende von emergenCITY ein besonderer Forschungsort wegfalle.

„Mit emergenCITY endet das weltweit einzige höchst interdisziplinär vernetzte Zentrum für digitale Resilienz“, monierte Mühlhäuser.

Dieses Ende gerade in einer Zeit, in der Resilienz das wichtigste Thema sei, auch für die Demokratie, sei fatal. Resilienz in einem interdisziplinären Verständnis müsse in verschiedenen Fachbereichen an erster Stelle stehen und ein Zentrum wie emergenCITY sogar noch größer gedacht werden.

Nach Dezember wird die emergenCITY Forschung in verschiedenen Aspekten an anderer Stelle fortgeführt, wie Hollick und emergenCITY Direktoriumsmitglied Michèle Knodt unterstrichen. Mit dem Anwendungs- und Transferzentrum Digital Resilience Xchange (DiReX) ist bereits ein Nachfolgeprojekt gestartet, dass die Übertragung von emergenCITY Forschungsergebnissen in die Praxis forciert. emergenCITY PI Björn Scheuermann stellte außerdem Pläne für einen neuen Fokusschwerpunkt auf Resilienz durch Satelliten und der Resilienz im Weltall vor. Weitere Anträge und Projekte sind in Planung. Das emergenCITY Lab wird TU-intern weiterbestehen und an den TU Campus in die Stadtmitte ziehen.