Vom 16. bis 19. März 2026 fand die Augmented Humans International Conference am Okinawa Institute of Science and Technology (OIST) in Japan statt. Die Konferenz bringt jährlich Forschende zusammen, die an der physischen, kognitiven und perzeptuellen Augmentierung des Menschen durch digitale Technologien arbeiten. In diesem Jahr wurden 61 Paper aus 150 Einreichungen angenommen. emergenCITY war mit einem Beitrag vertreten.

Ergonomische Grundlagen für Mid-Air-Interaktion

Die vorgestellte Arbeit „Comfort Is in the Air” untersucht, wie sich die zwei grundlegenden Gestentypen in Extended Reality (XR), Translation (Verschieben) und Rotation (Drehen), auf den Komfort und die Leistung von Nutzer:innen auswirken. In einer Nutzerstudie mit 20 Teilnehmenden zeigt das Forschungsteam, dass Translationsbewegungen generell komfortabler und effizienter sind als Rotationsbewegungen. Zudem steigert indirekte Interaktion (Nutzereingaben aus der Ferne statt direkt am digitalen Objekt) den Komfort deutlich, ohne die Leistung zu beeinträchtigen. Aus den Ergebnissen leiten die Autoren konkrete Gestaltungsrichtlinien für ergonomischere XR-Anwendungen ab.

Potenzial für Einsatzkräfte in Krisensituationen

XR besitzt ein enormes Potenzial für den Einsatz in Krisensituationen. Anders als herkömmliche Bildschirme können XR-Anwendungen digitale Inhalte direkt in die reale Umgebung einblenden: Einsatzkräfte können Gebäudepläne, Lagebilder, Schadstoffwerte und die Ausbreitung dieser unmittelbar in ihrem Sichtfeld sehen, ohne zwischen Display und Einsatzort wechseln zu müssen. Für die Arbeit in resilienten Städten und im Katastrophenschutz eröffnen sich neue Möglichkeiten. Allerdings führt die längere Nutzung von Mid-Air-Gesten zu Ermüdung und Unbehagen. Gerade im Einsatzkontext, in dem Konzentration und minimale Ablenkungen entscheidend sind, ist das problematisch. Die vorgestellte Studie liefert erstmals eine fundierte Grundlage dafür, welche Gestentypen in welchen räumlichen und aufgabenbezogenen Kontexten ergonomisch sind. Diese Erkenntnisse helfen, XR-Interfaces von Grund auf komfortabler zu gestalten.

Besonders relevant ist dabei die Erkenntnis zur indirekten Interaktion: Einsatzkräfte tragen häufig schwere Schutzausrüstung, die das Heben der Arme zusätzlich erschwert. Die Studie zeigt, dass Gesten mit gesenkten Armen den Komfort erheblich steigern, ohne die Performance zu beeinträchtigen. Ein Ergebnis mit unmittelbarem praktischem Mehrwert für die Gestaltung von XR-Systemen im Krisenmanagement.

Die Arbeit verdeutlicht, dass emergenCITY neben resilienten Kommunikationsinfrastrukturen auch die Mensch-Maschine-Schnittstelle für Krisensituationen erforscht – damit digitale Technologien im Ernstfall nicht nur verfügbar, sondern auch nutzbar sind.

Über den Autor

Dominik Schön ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Urban Interaction Lab und am Telecooperation Lab der TU Darmstadt und bei emergenCITY assoziert. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Ergonomie von Extended-Reality-Umgebungen im Bereich der Mensch-Computer-Interaktion.

Mehr Informationen

Dominik Schön, Thomas Kosch, Martin Schmitz, Sebastian Günther, Max Mühlhäuser, and Florian Müller. 2026. Comfort Is in the Air: Investigating the Perceived Comfort of Rotational and Translational Mid-Air Interactions. In The Augmented Humans International Conference 2026 (AHs 2026), March 16–19, 2026, Okinawa, Japan. ACM, New York, NY, USA, 13 pages.