Am 28. April 2025 gingen auf der Iberischen Halbinsel die Lichter aus. Ein großflächiger Stromausfall legte zentrale Infrastrukturen in Spanien und Portugal für rund 23 Stunden lahm. Medien berichteten europaweit über den Blackout und die damit einhergehenden Ausfälle des Internets und städtischer Infrastruktur für weite Teile der Bevölkerung. Zentrale Dienste, über die Netzwerke miteinander kommunizieren blieben aktiv, da Rechenzentren auf Notstromversorgung umschalteten. Eine Störung bei der Notversorgung hatte jedoch schwerwiegendere Auswirkungen auf den weltweiten Datenverkehr als der Stromausfall selbst.

Solche komplexen Auswirkungen und die beobachteten Anfälligkeiten und überraschenden Widerstandsfähigkeiten der zentralen Internetinfrastruktur der Region untersuchten Wissenschaftler der Universität Kassel rund um emergenCITY PI Oliver Hohlfeld und emergenCITY-Wissenschaftler Yasin Alhamwy in einer differenzierten Studie. Gemeinsam mit Forschenden von DE CIX legten sie die erste systematische Analyse des Stromausfalls auf der Iberischen Halbinsel vor, die betrachtet, wie genau sich der Blackout auf das Internet-Ökosystem der Region auswirkte. Ihr Paper “When the Lights Go Out: Internet Resilience During the 2025 Iberian Power Outage” erschien in der Aprilausgabe 2026 der Computer Communication Review von der ACM SIGCOMM und wurde nun bei der ACM SIGCOMM in Denver als „Best of CCR“ Paper ausgewählt.

Rückgang des Datenverkehrs auf Niveau der Nachtstunden

Für ihre Analyse kombinierten die Forschenden Messungen des Datenverkehrs an den vier größten iberischen Internetknotenpunkten mit Daten von IP-Liveness-Scans und Border Gateway Protocol (BGP) Updates. Die Ergebnisse glichen sie mit Berichten der Amateurfunkplattform PSKReporter ab.

Das Ergebnis: Als das Stromnetz zusammenbrach, ging der Datenverkehr an den untersuchten Internetknotenpunkten der Region innerhalb weniger Minuten um 33 bis 70 Prozent zurück. Er lag damit auf einem Niveau, das der Datenverkehr sonst in den Nachtstunden erreicht, was auf einen weitreichenden Verlust der Endnutzer-Konnektivität und der IP-Verfügbarkeit hindeute.

Dass der Datenverkehr jedoch nicht komplett zum Erliegen kam, zeigt, dass die zentralen Routing Geräte mit Notstrom weiterliefen. Durch die Aufschlüsselung des verbleibenden Datenverkehrs konnten die Wissenschaftler erkennen, welche Dienste (z. B. Content Delivery Networks (CDN) und internationaler Transit) am robustesten waren und welche (z. B. Unternehmens- und Gaming-Dienste) fast vollständig verschwanden.

„Zu verstehen, was online bleibt – und was ausfällt –, hilft Betreibern, politischen Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit, sich auf zukünftige Krisen vorzubereiten, unabhängig davon, ob diese durch Naturkatastrophen, Netzausfälle oder andere großflächige Ereignisse verursacht werden“, betont Oliver Hohlfeld.

Resilienz von Backup-Systemen entscheidend für Resilienz des globalen Internets

Das Internet, das die Bevölkerung vor Ort benutzt, reagierte somit äußerst empfindlich auf den Blackout. Gleichzeitig unterstreicht das Fortbestehen des Kerninfrastrukturverkehrs, insbesondere des Durchgangsverkehrs, der weder aus der betroffenen Region stammt noch dorthin gerichtet ist, dass in Rechenzentren gehostete Dienste durchaus resilient sind.

Die Beobachtungen der Wissenschaftler zeigen jedoch auch, dass diese Resilienz Grenzen hat: Ein teilweiser Ausfall der Notfallgeneratoren in einem großen Rechenzentrum während des Stromausfalls führte zu einer zweiten messbaren Störung des Internetverkehrs, bemerkenswerterweise mit größeren Auswirkungen auf die Stabilität des globalen Internet-Routings als jene, die der landesweite Stromausfall hier verursachte. Diese Erkenntnisse unterstreichen, dass Rechenzentren zwar vor lokalen Ausfällen recht gut geschützt sind, Schwachstellen in ihren Backup-Systemen jedoch die Auswirkungen bereits kritischer Vorfälle verstärken können.

Hohlfeld und das Team der Studie schlussfolgern daher zwei zentrale Erkenntnisse aus ihrer Analyse. Erstens sei die zentrale Internetinfrastruktur der betroffenen Region resilienter, als oftmals angenommen. Es gelte jedoch auch, so der zweite Punkt der Forschenden, die Resilienz konzentrierter Infrastrukturen wie Rechenzentren und deren unabhängige Überprüfung im Blick zu behalten. Das Verständnis dieses Zusammenspiels ist entscheidend für die Verbesserung der Vorsorge und die Entwicklung robusterer Systeme für künftige Störungen ähnlichen Ausmaßes.