Vom 24. August bis zum 4. September 2026 war ich im Rahmen des Female Student Travel Awards von emergenCITY bei der 29. Informatica Feminale an der Universität Bremen. Die Informatica Feminale ist eine Sommeruniversität, bei der Frauen und FLINTA*-Personen in Workshops zu unterschiedlichen Themen der Informatik zusammenkommen. Während der zwei Wochen habe ich an mehreren je ein- bis dreitägigen Workshops teilgenommen. Dabei ging es sowohl um fachliche Themen als auch um den Ausbau von Soft Skills.

Besonders wertvoll fand ich die durchweg offenen Gespräche über persönliche Erfahrungen und strukturelle Benachteiligungen von Frauen in Informatik, MINT und Führungspositionen. Dabei wurde unter anderem kritisch betrachtet, wie sich der Frauenanteil in der Informatik historisch entwickelt hat und dass in vielen Ländern, selbst in konservativeren Ländern mit weniger Frauenrechten, der Frauenanteil in der Informatik höher ist als in Deutschland. Auch viele kleinere Situationen aus dem Studien- und Arbeitsalltag wurden thematisiert. Von vielen Teilnehmerinnen hörte ich die Erfahrung, dass das Studium noch vergleichsweise wenig von Vorurteilen geprägt sei, während entsprechende Herausforderungen für viele erst mit dem Einstieg ins Arbeitsleben, insbesondere in der Wirtschaft, stärker spürbar würden. Ich konnte in den zwei Wochen aber nicht nur unterschiedliche Perspektiven kennenlernen, sondern auch konkrete Bewältigungsstrategien und Erfahrungen mitnehmen, die für meinen späteren Berufsalltag hilfreich sein dürften.

Auch das Rahmenprogramm bot abwechslungsreiche Einblicke und Möglichkeiten zum Austausch. Neben verschiedenen Networking-Veranstaltungen gab es Ausflüge zu unterschiedlichen Unternehmensstandorten, unter anderem zu Airbus und dem Bremer Müllheizkraftwerk. Führungen durch Einrichtungen der Universität, wie das Fabrication Laboratory und das Ambient Assisted Living Lab für smarte Assistenzsysteme, gaben zudem interessante Einblicke in aktuelle Forschungs- und Praxisprojekte.

Auch Bremen selbst ist mir sehr gut in Erinnerung geblieben. Besonders gefallen haben mir die schöne Altstadt, die netten Menschen und die ganze Natur, etwa im Bürgerpark und der Unisee.

Für meine weitere wissenschaftliche Arbeit nehme ich neben neuen fachlichen Impulsen vor allem die unterschiedlichen Erfahrungen von Frauen in der Informatik mit. Gleichzeitig hat mir die Reise gezeigt, wie wichtig Vorbilder und geschützte Räume sein können, in denen offen über Schwierigkeiten gesprochen und gegenseitige Unterstützung gelebt wird. Und wie wichtig es ist, bereits junge Mädchen an Technik heranzuführen, damit sie selbstbewusst im Umgang damit werden und sich später technische Berufe zutrauen.

Vielen Dank an emergenCITY für den Female Student Travel Award und die damit verbundene Unterstützung meiner Reise.

Autorin: Isabelle Sauer

M.Sc.-Studentin der Informatik an der TU Darmstadt. Meine Studienschwerpunkte liegen im Bereich (Low-Power) Embedded Systems, Netzwerke sowie Hardware- und Netzwerksicherheit.