Am 8. Mai endete die diesjährige emergenCITY Week im Georg-Christoph-Lichtenberg-Haus mit der Verleihung des Female Student Travel Awards 2026. Der Preis wurde gemeinsam von dem Sonderforschungsbereich CROSSING, dem LOEWE-Zentrum emergenCITY, dem Hessischen Zentrum für Künstliche Intelligenz (hessian.AI) und dem Exzellenzcluster Reasonable AI (RAI) an sechs Masterstudentinnen der TU Darmstadt vergeben. Die diesjährigen Preisträgerinnen sind: Michelle Geisler (Studiengang M.Sc. Cognitive Science und M.Sc. Mathematics; emergenCITY), Jacqueline Koch (Studiengang M.Sc. IT Security; CROSSING), Daniela Risis (Studiengang M.Sc. Computer Science; RAI), Gözde Saçıak (Studiengang M.Sc. Computer Science; CROSSING), Isabelle Sauer (Studiengang M.Sc. Computer Science; emergenCITY), Leonie Schüssler (Studiengang M.Sc. Artificial Intelligence and Machine Learning; hessian.AI).

emergenCITY-Preisträgerin Isabelle Sauer

Isabelle Sauer studiert im Master Informatik an der TU Darmstadt. Ihre Bachelorarbeit beschäftigte sich mit Riotee, einer batterielosen Open-Source-Plattform für das Internet der Dinge (IoT), - ein Projekt von emergenCITY Professor Marco Zimmerling. Das mittels Solarmodulen betriebene System ist nachhaltiger und resilienter als batteriebetriebene Alternativen, da es energieautark ist.

„Eingebettete Systeme haben ein großes Potential unseren Alltag einfacher und sicherer zu gestalten. Sei es bei der Überwachung von Laboren, oder etwa ein in einer Brücke einbetonierter Sensor, der bei Rissen ein Alarmsignal sendet. Aber aktuelle IoT Geräte zeigen, dass klein und günstig häufig auf Kosten von Sicherheit geht. Ich bin der Meinung, damit eingebettete Systeme uns Sicherheit geben können, müssen sie selbst gegen Angriffe abgesichert sein, trotz intrinsischer Einschränkungen wie zum Beispiel Energieverbrauch und Platz. Deshalb möchte ich auch Hardwaresicherheit weiter vertiefen.“

Isabelle Sauer

Doch Geräte absichern und vernetzen bei geringem Energieverbrauch ist nicht die einzige Herausforderung, der sich Isabelle Sauer widmet. Während es für sie keine Besonderheit war, den Bachelor in der Informatik zu beginnen, stellte sie im Laufe ihres Studiums fest, dass Vorlesungen in großer Mehrheit von männlichen Professoren gehalten werden. Auch bei der Bachelorthesis und während eines Forschungsaufenthalts im Ausland gab es keine Frauen in ihrem Team, mit denen sie sich hätte vernetzen können.

„Inzwischen möchte ich auch ein Vorbild werden, sichtbar sein. Ich möchte eine Frau in Technik und Forschung werden, denn ich bin überzeugt, je mehr Frauen diesen Weg einschlagen, desto geringer wird der unconscious bias. Und auch wenn ich vielleicht dafür arbeiten muss, dass meine Forschung genauso gewertet wird wie bei Männern, haben es dafür Mädchen in kommenden Generationen hoffentlich leichter.“

Isabelle Sauer

Eine Frau und ein Mann stehen nebeneinander und halten den Female Student Travel Award
© emergenCITY

Florian Steinke, Teil des emergenCITY Gleichstellungs- und Familienteams, mit FSTA Gewinnerin Isabelle Sauer

emergenCITY-Preisträgerin Michelle Geisler

Michelle Geisler macht im Doppelstudium einerseits einen Master in Mathematik, andererseits einen Master in Kognitionswissenschaften. Für das LOEWE-Zentrum emergenCITY war sie an der Entwicklung des Serious Games Krisopolis beteiligt, das Themen rund um Krisenvorsorge und Umgang mit Katastrophen niedrigschwellig vermittelt.

„Mein Hauptinteresse ist das Erforschen von Lernprozessen und Problemlösen bei Menschen. Dabei finde ich als Mittel unter anderem Serious Games sehr spannend, wie beispielsweise Krisopolis. Ansonsten beschäftige ich mich viel mit theoretischen Modellierungen von menschlichem Denken und Problemlösemodellen, die den meisten Mathematiker:innen zu angewandt sind und den meisten Kognitionswissenschaftler:innen zu mathematisch.“

Michelle Geisler

Für Michelle Geisler wäre es ein Traum, im Rahmen einer Promotion noch ein paar weitere Jahre lernen oder vielleicht sogar lehren zu dürfen. Da gerade die Kognitionswissenschaften einen großen Wert auf Forschungsnähe legen, stellt die Teilnahme an einer Summer School für sie eine große Chance dar.

„Durch die Auszeichnung habe ich die Möglichkeit, nach Prag zur ESSLLI 2026 zu fahren, einer zweiwöchigen Summer School mit interdisziplinärem Fokus zwischen Mathematik und Cognitive Science. Dort hoffe ich Kontakte zu knüpfen mit jungen Wissenschaftler:innen, die auf ihrem Karriereweg am gleichen Punkt stehen wie ich oder schon ein paar Schritte weiter sind. Dadurch finde ich mindestens Gleichgesinnte, mit denen ich mich austauschen kann, und im besten Fall sogar Vorbilder und Mentor:innen für eine mögliche Promotion.“

Michelle Geisler

Über den Female Student Travel Award

Der Female Student Travel Award zeichnet Studentinnen aller Fachrichtungen der TU Darmstadt aus, die herausragende Leistungen erbringen und deren Studieninteressen einen klaren Bezug zu den Forschungsthemen der beteiligten Verbünde aufweisen: Sei es Cybersicherheit, resiliente urbane Infrastrukturen oder Künstliche Intelligenz. Der Preis ermöglicht es den Gewinnerinnen, an einer führenden internationalen Konferenz teilzunehmen, die Frauen in der Informatik und den Ingenieurwissenschaften vernetzt. Erstmals steht allen Preisträgerinnen in diesem Jahr auch die Möglichkeit offen, eine wissenschaftliche Fachkonferenz zu besuchen. Diese Erweiterung spiegelt das gemeinsame Anliegen der beteiligten Verbünde wider, Studentinnen früh Zugang zur Forschungsgemeinschaft zu ermöglichen und sie für eine künftige Karriere in der Forschung zu gewinnen.

Tina Comes hält ihre Präsentation auf einer Bühne.
© emergenCITY

Tina Comes während der Ruzena Bajcsy Lecture

Ruzena-Bajcsy-Lecture

Traditionell wird der Female Student Travel Award nach der Ruzena-Bajcsy-Lecture verliehen. Dieses Jahr präsentierte Prof. Dr. Tina Comes (TU Delft) als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von emergenCITY ihre Forschung zu KI und Entscheidungsunterstützung im Krisenmanagement. In ihrem Vortrag stellte die Professorin basierend auf Feldstudien in Europa, Asien und Afrika einen empirisch fundierten Ansatz zur Entwicklung von Entscheidungsunterstützungssystemen für den Bevölkerungsschutz und die humanitäre Hilfe vor.