Wahrnehmung in Stresssituationen
Human-Computer-Interaction-Studie an der Litfaßsäule 4.0 gestartet
Human-Computer-Interaction-Studie an der Litfaßsäule 4.0 gestartet
In Krisen und Katastrophen stehen Menschen unter Stress und großer Anspannung. Wie muss eine Warnsäule gestaltet sein, damit sie auch in solchen belastenden Situationen wahrgenommen wird? Das wollen Wissenschaftler:innen von emergenCITY mittels einer Studie an der Litfaßsäule 4.0 herausfinden.
Die Litfaßsäule 4.0 wird als innovatives Warn- und Informationsmedium in Krisenlagen erprobt – nun auch unter realitätsnaher Belastungssimulation. In einer Human-Computer-Interaction-Studie (HCI) testet das Team um Florian Müller, Professor für Mensch-Computer-Interaktion an der TU Darmstadt und assoziiert bei emergenCITY, ob Bürger:innen Warnhinweise auf der Litfaßsäule 4.0 erkennen, wenn sie gleichzeitig unter Stress stehen.
„Wir untersuchen, wie gut Menschen unter mentaler Belastung dringliche Informationen auf der Litfaßsäule 4.0 wahrnehmen, verstehen und darauf reagieren, als Simulation von Stress- beziehungsweise Notsituationen“, erklärt der Leiter der Studie.
Um diese Bedingungen nachzustellen, absolvieren die Teilnehmenden während der Tests einen kognitiv fordernden n-back-Test auf einem Tablet, wobei eine farbige Kugel zwischen verschieden farbigen Kugeln wiedererkannt werden muss. Dieser steigert die mentale Belastung schrittweise, sodass eine typische Stresssituation simuliert wird, wie sie auch in realen Krisen auftreten kann. Parallel dazu erscheinen auf den LED-Displays der Litfaßsäule 4.0 kurze Warnhinweise, auf die die Teilnehmenden so schnell und korrekt wie möglich reagieren müssen.
Die Forschenden messen dabei Reaktionszeiten, Antwortgenauigkeit und subjektive Belastung. Zusätzlich variieren sie den Abstand zur Säule und setzen einsatztypische Notfallgeräusche ein, um Ablenkungseffekte zu berücksichtigen.
Aus der Studie sollen konkrete Gestaltungsempfehlungen für wirksame öffentliche Warn- und Informationsanzeigen abgeleitet werden, die über Darmstadt hinaus von Bedeutung sind. Die Ergebnisse der Studie fließen in die Weiterentwicklung der Litfaßsäule 4.0 ein, die vom Anwendungs- und Transferzentrum DiReX begleitet und in Zusammenarbeit mit Partnern aus Stadtverwaltung, Feuerwehr und Wirtschaft getestet wird.