Medienecho zum Stromausfall in Berlin
emergenCITY Expert:innen ordnen den Ausfall und Kritik an Warnmeldungen ein
emergenCITY Expert:innen ordnen den Ausfall und Kritik an Warnmeldungen ein
Nach dem mehrtägigen Stromausfall im Südwesten Berlins Anfang Januar berichteten regionale wie überregionale Medien umfassend über die Ereignisse. Auch Expert:innen vom LOEWE-Zentrum emergenCITY und dem Anwendungs- und Transferzentrum DiReX (Digital Resilience Xchange) ordneten in der Berichterstattung den Vorfall aus wissenschaftlicher Perspektive ein. Im Mittelpunkt standen dabei sowohl die Resilienz kritischer Infrastrukturen als auch die Funktionsweise staatlicher Warnsysteme.
Michèle Knodt, stellvertretende Koordinatorin von emergenCITY und Direktorin von DiReX, gab in Beiträgen der hessenschau am 5. Januar und des Darmstädter Echos am 6. Januar zu bedenken, dass ein vollständiger Schutz kritischer Infrastrukturen vor Sabotage kaum realisierbar sei.
“Viel wichtiger als jetzt zu überlegen, wo man einen höheren Zaun bauen könnte, ist sicherzustellen, dass unsere kritischen Infrastrukturen resilient sind”, sagte Michèle Knodt in der hessenschau.
Redundanzen und dezentrale Backup-Lösungen spielten dabei eine zentrale Rolle. Als konkretes Beispiel nannte Knodt die in emergenCITY entwickelte Litfaßsäule 4.0, ein energieautarkes Kommunikationsmedium, das auch bei Stromausfällen behördliche Informationen anzeigen kann.
Im Zuge des Stromausfalls gerieten auch Cell-Broadcasting-Systeme in die öffentliche Kritik. Viele Berliner:innen erhielten einen Handyalarm mit der Warnstufe “Extreme Gefahr”, obwohl die Meldung lediglich die Wiederherstellung der Stromversorgung ankündigte. Die Berliner Behörden hatten nach eigenen Angaben voreingestellte, nicht angepasste Textvorlagen für diese Meldung genutzt.
In einem Experteninterview mit dem Cybersecurity-Experten und emergenCITY-PI Christian Reuter berichtete das Portal WEB.DE Digital am 14. Januar, dass die Verwirrung auf standardisierte Textvorlagen im Cell-Broadcast-System zurückzuführen sei, die automatisch hohe Warnstufen auslösen. Der Artikel thematisiert die Gefahr von Verunsicherung, Panik und Warnmüdigkeit, wenn Warnmeldungen nicht verhältnismäßig eingesetzt werden.
Reuter betonte im Interview: “Warnungen sollten natürlich nur rausgegeben werden, wenn Gefahr besteht”.
Entscheidend sei dabei nicht nur, ob gewarnt wird, sondern auch wie die Warnung formuliert und eingeordnet wird, so der Wissenschaftler, der selbst an dezentralen technischen Lösungen forscht - etwa wie Handys untereinander Informationen weitergeben, wenn zentrale Infrastrukturen ausfallen, oder wie Smarthome-Geräte warnen können.
hessenschau vom 5. Januar: “Wie gut ist Hessen vor einem Blackout geschützt?”
Darmstädter Echo online vom 6. Januar: “Wie gut ist Darmstadt gewappnet gegen Stromnetz Sabotage?” (Paywall)
WEB.DE Digital vom 14. Januar: „Berliner Handyalarm verwirrt: Wie sicher sind unsere Warnsysteme?“.