Wie kann man eine Stadt resilienter machen?
emergenCITY Koordinator Matthias Hollick stellt Heinerboxen in der HR-Sendung „alle wetter!“ vor
emergenCITY Koordinator Matthias Hollick stellt Heinerboxen in der HR-Sendung „alle wetter!“ vor
Wie kann die Heinerbox helfen, Städte anpassungsfähiger zu machen? Das fragte Thomas Ranft, Moderator der Sendung „alle wetter!“ im Hessischen Rundfunk, den wissenschaftlichen Koordinator von emergenCITY Matthias Hollick in der Sendung am 22. Januar. Hollick stellte im Live-Interview mit dem Moderator die Heinerboxen, die im Darmstädter Martinsviertel an Straßenlaternen aufgehängt werden, vor und betont: Engmaschigere Messwerte für Umweltdaten wie Feinstaub, Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Lichteinfall, aber auch Daten, die differenziert Informationen zum Verkehr und zur Lärmbelastung liefern, sind der Schlüssel, um dann in einem zweiten Schritt stadtplanerische Maßnahmen für eine resilientere Stadt einzuleiten.
„Die Heinerbox und alles, was wir damit machen, ist von Anfang an mit dem Gedanken des Datenschutzes, der Privatheit entworfen worden. Wir erheben keinerlei personenbezogene Daten, wir haben keine Kamera in dieser Box“, stellte Matthias Hollick im Gespräch klar.
Er erklärte anhand der Verkehrsdaten, wie die anonymen Daten der Heinerboxen trotzdem zeigen, was in der Nachbarschaft passiert. Ein LiDAR-Sensor, ähnlich einem piependen Parksensor am Auto, kann Autos zählen und Raumnutzung in einem gewissen Grad messen.
„Mit einer Kamera wäre das viel einfacher“, betonte Hollick. „Aber wir haben ganz gezielt auf Sensoren gesetzt, die datensparsam sind; bei denen also gar nicht die Möglichkeit besteht, die Daten zu missbrauchen.“
Auch die Geräusche in der Umgebung kann die Heinerbox kategorisieren. Eine künstliche Intelligenz nimmt zehnsekündige Abschnitte eines Audiosignals und stellt fest, ob es sich bei einem Geräusch beispielsweise um Hundegebell, ein Martinshorn oder Kindergeschrei handelt.
„Der Audioabschnitt wird dann sofort gelöscht und die Box nie verlassen. Aber wir wissen danach: Mit 80 Prozent Wahrscheinlichkeit war das jetzt Hundegebell”, veranschaulichte Hollick.
Denn Lärm ist dabei nicht gleich Lärm. Mehr menschliche Geräusche könnten beispielsweise auch durchaus ein positiver Effekt von geänderter Verkehrsführung sein. Hollick betonte die Zusammenarbeit mit anderen Forschungsgruppen und der Wissenschaftsstadt Darmstadt in diesem Punkt und hob eine weitere mögliche Funktion der Heinerbox hervor: Zukünftig könnte die Box auch ohne Strom ein Notfallnetz bereitstellen, das Informationen bereitstellt, auch wenn anderen Kommunikationswege für Behörden oder die Feuerwehr ausfallen.
„alle wetter!“ ist ein Servicemagazin rund um Wetter- und Klimafragen, das wochentags zwischen 19.15 Uhr und 19.30 Uhr im Fernsehen des Hessischen Rundfunks läuft. Die Sendung vom 22. Januar mit dem circa vierminütigen Interview von Matthias Hollick ab Minute 8:00 gibt es hier in der ARD-Mediathek zum Nachschauen.